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Einverständniserklärung Tattoo: was reingehört und wie du sie vor dem Termin einholst
Samstag, kurz nach elf. Der Kunde sitzt schon auf der Liege, die Schablone klebt, und erst beim Ausfüllen des Bogens kommt heraus, dass er seit drei Wochen Blutverdünner nimmt. Anfangen oder verschieben, das musst du jetzt entscheiden, und im Kalender sind die nächsten vier Stunden für ihn geblockt. Liegt die Einverständniserklärung schon zwei Tage vorher in seinem Postfach, erfährst du so etwas, solange du den Termin noch in Ruhe verlegen kannst.

Das Anfrageformular klärt das Motiv, die Erklärung klärt Gesundheit und Risiken
Das Anfrageformular für Tattoo-Anfragen steht ganz am Anfang. Es sammelt Idee, Körperstelle, Größe, Referenzen und Budget, damit du entscheiden kannst, ob du das Projekt annimmst und was es kostet. Daraus wird ein Tattoo-Briefing nach Vorlage, nach dem du zeichnest. Später bestätigt die Kundschaft den Entwurf. Die Einverständniserklärung kommt erst kurz vor dem Termin und beantwortet etwas ganz anderes: ob die Person an diesem Tag tätowiert werden kann und ob sie weiß, worauf sie sich einlässt.
Halte die beiden Formulare getrennt. Stehen die Gesundheitsfragen schon im Anfrageformular, sammelst du sensible Daten von Leuten, die am Ende nie buchen. Füllt jemand die Erklärung erst am Tresen aus, kommen Probleme ans Licht, wenn der Stuhl schon belegt ist. Wie du die Freigabe des Entwurfs festhältst, steht im Artikel über Entwürfe, die du vorab verschickst.
Diese Punkte gehören in die Erklärung
Ein eigenes Gesetz, das Inhalt oder Form einer Tattoo-Einwilligung vorschreibt, gibt es in Deutschland nicht. Was reingehört, ergibt sich aus dem, was du im Streitfall zeigen können willst: Die Person war volljährig, und sie hat die Gesundheitsfragen beantwortet, nachdem sie die Risiken gelesen hatte.
- Name, Geburtsdatum, Telefonnummer. Frag das Geburtsdatum direkt ab und nicht nur als Häkchen „über 18“. So kannst du es am Termin mit dem Ausweis vergleichen.
- Gesundheitsfragen mit Platz für Details: blutverdünnende Medikamente, Diabetes, Epilepsie, Herzerkrankungen, Hautprobleme an der Stelle, Allergien gegen Farben, Latex oder Pflaster, Schwangerschaft und Stillzeit.
- Die Risiken in normalen Worten. Entzündung, allergische Reaktion, Narben, und dass Farbe nach dem Abheilen anders aussehen kann als frisch gestochen. Dazu der Satz, dass ein Tattoo bleibt und sich nur aufwendig entfernen lässt.
- Die Zusage, sich an die Pflege zu halten. Was in der Anleitung selbst steht, findest du im Artikel zur Tattoo-Pflegeanleitung.
- Der Zustand am Termin: ausgeschlafen, gegessen, kein Alkohol und keine Drogen in den Stunden davor.
- Fotos vom fertigen Tattoo für Instagram oder die Website. Frag das als eigenes Ja ab, zum Ankreuzen, und tätowier auch dann, wenn jemand Nein sagt. Ein Satz wie „Wenn du nichts sagst, posten wir“ reicht nicht.
Bei den Gesundheitsangaben wird es datenschutzrechtlich ernst. Sie zählen nach Art. 9 DSGVO zu den besonders geschützten Daten, für die du in der Regel eine ausdrückliche Einwilligung brauchst. Schreib deshalb in die Erklärung, wofür du die Angaben nutzt und wie lange du sie aufbewahrst. Wer sie zu sehen bekommt, gehört auch hinein. Ob deine Formulierung trägt, klärst du am besten mit jemandem, der sich mit Datenschutz auskennt.
Zwei Tage vorher verschicken
48 Stunden vor dem Termin ist ein guter Moment. Die Person hat Zeit, alles in Ruhe zu lesen. Trifft eine Gesundheitsfrage auf sie zu, kann sie dir noch schreiben, und du kannst nachfragen oder den Termin verschieben, bevor jemand im Studio sitzt. Am Termin gehst du die Gesundheitsfragen trotzdem noch einmal kurz mündlich durch, denn in zwei Tagen kann eine Erkältung dazukommen oder ein neues Medikament.
Ob digital oder auf Papier: Für dich zählt, dass du später zeigen kannst, wer wann welchem Text zugestimmt hat. Das leistet ein gespeichertes Häkchen mit Zeitpunkt und dem Wortlaut der Erklärung. Eine handschriftliche Unterschrift ersetzt es nicht. Wo du eine brauchst, etwa von Eltern, holst du sie am Termin auf Papier.
In OpenInk Studio findest du unter Einstellungen die Karte „Einverständniserklärung“. Dort schaltest du „Erklärung 48 Stunden vor dem Termin schicken“ ein und bearbeitest den Text darunter. Eine Startvorlage ist schon drin, mit dem Hinweis, dass sie keine Rechtsberatung ist. Du kannst stattdessen auch die Vorlage weiter unten in diesem Artikel hineinkopieren.

Zwei Tage vor jedem Termin geht die Erklärung per E-Mail raus. Die Kundschaft liest sie auf dem Handy, setzt das Häkchen bei „Ich habe alle Punkte oben gelesen und stimme zu.“ und tippt auf „Unterschreiben“. In OpenInk Studio bedeutet „unterschreiben“ also: Häkchen setzen und bestätigen. Eine handschriftliche Unterschrift, auch keine mit dem Finger auf dem Display, gehört nicht dazu. In der Buchung steht vorher „Unterschrift ausstehend“, danach „Unterschrieben am“ mit Datum und Uhrzeit.

Wer seine Mails nicht liest, bekommt den Link von dir per WhatsApp oder Instagram, dafür gibt es „Link zum Unterschreiben kopieren“. Braucht ein Termin keine neue Erklärung, etwa die dritte Sitzung am selben Rücken, tippst du auf „Unterschrift überspringen“. Unterschriebene Erklärungen bleiben mindestens zwei Jahre gespeichert. Einen Ausweis prüft OpenInk Studio nicht, und einen eigenen Ablauf, bei dem Eltern für Minderjährige unterschreiben, gibt es auch nicht.
Unter 18: kein Mindestalter, aber ein Risiko
In Deutschland gibt es kein gesetzliches Mindestalter fürs Tätowieren, und das Jugendschutzgesetz regelt das Thema nicht. Ob eine minderjährige Person wirksam einwilligen kann, hängt nach einer Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs (5 StR 533/58) davon ab, ob sie Bedeutung und Tragweite des Eingriffs erfassen kann. Das Amtsgericht München hat die Einwilligung einer 17-Jährigen, die schon berufstätig war, für wirksam gehalten (Urteil vom 17.03.2011, Az. 213 C 917/11).
Verlassen solltest du dich darauf nicht. Ob ein Gericht die Einsichtsfähigkeit in deinem Fall genauso sieht, weißt du vorher nicht, und auch die Unterschrift der Eltern macht daraus keine sichere Sache. Wirklich auf der sicheren Seite bist du nur, wenn du ausschließlich Volljährige tätowierst und vorher gründlich über die Risiken aufklärst.
Vorlage zum Anpassen
Die eckigen Klammern füllst du selbst aus, und was bei dir nicht passt, streichst du. Die Leerfelder sind für die Papierfassung. In OpenInk Studio liest die Kundschaft nur den Text und setzt ein Häkchen, das Geburtsdatum fragst du dort am besten schon im Anfrageformular ab. Lies den Text vor dem ersten Einsatz einmal laut. Wer ihn abends auf dem Handy liest, soll ihn ohne Nachschlagen verstehen.
Einverständniserklärung für eine Tätowierung
Ausgangspunkt, keine Rechtsberatung. Prüf vor dem ersten Einsatz, was in deinem Land, Bundesland oder Kanton gilt.
Einverständniserklärung für eine Tätowierung Studio: [Studioname, Adresse] Artist: [Name] Termin: [Datum, Uhrzeit] Motiv und Stelle: [z. B. Rose, linker Unterarm innen, ca. 12 × 6 cm] Angaben zur Person Name: [ ] Geburtsdatum: [ ] Telefon: [ ] Ich bin mindestens 18 Jahre alt und bringe zum Termin einen gültigen Ausweis mit. Gesundheit Ich sage dem Studio vor dem Termin Bescheid, wenn einer dieser Punkte auf mich zutrifft: - Ich nehme blutverdünnende Medikamente. - Ich habe Diabetes, Epilepsie, eine Herzerkrankung oder eine Gerinnungsstörung. - An der Stelle habe ich eine Hauterkrankung, ein Muttermal oder eine frische Narbe. - Ich habe Allergien, zum Beispiel gegen Farben, Latex oder Pflaster. - Ich bin schwanger oder stille. [weitere Punkte deines Studios] Risiken Eine Tätowierung ist dauerhaft. Sie lässt sich nur aufwendig und nicht immer vollständig entfernen. Auch bei sauberer, steriler Arbeit können Entzündungen, allergische Reaktionen und Narben auftreten. Farbe und Linien können nach dem Abheilen anders aussehen als direkt nach dem Stechen. Am Tag des Termins Ich komme ausgeschlafen und habe vorher gegessen. In den [24 Stunden] davor trinke ich keinen Alkohol und nehme keine Drogen. Pflege Ich bekomme eine schriftliche Pflegeanleitung und halte mich daran. Bei starker Rötung, Schwellung oder Fieber melde ich mich beim Studio und gehe zum Arzt. Fotos Ob [Studioname] Fotos des fertigen Tattoos zeigen darf, fragt das Studio mich getrennt. Ohne mein ausdrückliches Ja wird nichts veröffentlicht. Datenschutz Meine Angaben zur Gesundheit nutzt das Studio nur, um diesen Termin sicher durchzuführen. Einsehen kann sie nur [Artist / Studioleitung]. Sie werden [Aufbewahrungsdauer] aufbewahrt und danach gelöscht. Dieser Verarbeitung stimme ich ausdrücklich zu. Ich habe alle Punkte gelesen, konnte Fragen stellen und bin mit der Tätowierung einverstanden. Ort, Datum: [ ] Unterschrift (nur bei Papierfassung): [ ]
Was am Termin trotzdem bei dir bleibt
- Den Ausweis ansehen. Das Geburtsdatum in der Erklärung ist eine Angabe, kein Nachweis. Ob du eine Kopie aufbewahren darfst, ist eine Datenschutzfrage, und eine Notiz „Ausweis gesehen“ mit Datum kommt ganz ohne Kopie aus.
- Bei Minderjährigen, falls du überhaupt unter 18 tätowierst: Eltern persönlich ins Studio holen, auf Papier unterschreiben lassen und das Blatt zu deinen Unterlagen legen.
- Die Gesundheitsfragen kurz mündlich wiederholen und notieren, was sich seit dem Ausfüllen geändert hat.
- Wenn du für deine Unterlagen eine Unterschrift auf Papier willst: den gespeicherten Text ausdrucken und unterschreiben lassen. Dann hast du beides, die Zustimmung von vor zwei Tagen und das Blatt vom Termin.
Typische Fälle aus dem Studio
- Wenn jemand bis zum Termin nicht zugestimmt hat
- In der Buchung steht dann weiter „Unterschrift ausstehend“. Schick den Link am Vortag noch einmal per WhatsApp oder Instagram. Kommt die Person trotzdem ohne Zustimmung, lass sie den Text vor Ort auf ihrem Handy oder auf Papier lesen und zustimmen, bevor die Schablone draufkommt. Leg vorher fest, ob du ohne Erklärung überhaupt anfängst, und schreib das in deine Buchungsbedingungen.
- Digital oder auf Papier
- Beides geht. Digital hat den Vorteil, dass die Angaben zwei Tage vor dem Termin bei dir sind und nicht erst am Tresen. Papier brauchst du dort, wo du eine handschriftliche Unterschrift willst, etwa von Eltern. Wie du beides kombinierst, steht im Abschnitt über den Termin.
- Folgetermine am selben Motiv
- Bei der zweiten oder dritten Sitzung kannst du dir eine neue Erklärung sparen, wenn sich an der Gesundheit nichts geändert hat. Frag kurz nach und tipp in OpenInk Studio bei diesem Termin auf „Unterschrift überspringen“. Gibt es etwas Neues, etwa ein anderes Medikament, lass die Erklärung neu ausfüllen.
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